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Eine Zitronenlimonade für den guten Zweck

Artikel in der lokalen Presse über unsere Schülerfirma

geschrieben von Johannes Aigner
veröffentlicht am 26.03.2021 in der Nürtinger Zeitung

Die Nürtinger Schülerfirma „thelemonadecompany“ startet den Verkauf ihrer Getränke – Ein Teil des Erlöses geht an ein Projekt in Afrika

Ein eigenes Unternehmen zu gründen ist für viele junge Menschen ein großer Traum. Diesen haben sich 13 Schüler des Max-Planck-Gymnasiums jüngst erfüllt. Sie gründeten eine eigene Schülerfirma und erfahren für ein Schuljahr, welche Herausforderungen das Unternehmerdasein mit sich bringt. Nach langer Planung geht ihre Limonade „Saure Goiß“ heute an den Markt.

Die Schulhöfe der Nation wirken derzeit wie verwaist. Wo vor einem Jahr noch getobt, gespielt und getratscht wurde, herrscht während der Pandemie meist gespenstische Stille. Auch auf dem Schulhof des Max-Planck-Gymnasiums ist es am Freitagnachmittag ruhig. Lediglich ein einziger Schüler wartet vor den hohen Türen des Haupteingangs. Doch er ist nicht hier, um zwischen Mathe und Bio etwas auszuspannen. Er hat einen Geschäftstermin. „Hi, seid ihr die von der Zeitung? Ich bin Felix Lebsanft. Lasst uns doch direkt in unsere Firma gehen“, sagt er und grinst.

Lebsanft geht voran in einen Aufenthaltsraum im obersten Stock des Schulgebäudes. 15 Personen mit Schutzmasken sind hier versammelt, Taschen und Jacken liegen in der Ecke auf einem Haufen, an den Wänden stapeln sich zahlreiche rote Getränkekästen. „Hallo, ich bin Christian, Vorstand der Lemonadecompany, willkommen", sagt einer der Schüler zur Begrüßung.

Ursprünglich wollten die Schüler auch die Rezeptur selbst entwickeln

Die Lemonadecompany ist eine Schülerfirma, gegründet von 13 Schülern der elften Klasse des MPGs. Durch das Projekt des deutschen Instituts für Wirtschaft sollen sie die Chancen und Risiken des Unternehmerdaseins erfahren. Gemeinsam kreierten sie ein eigenes Produkt, brachten es auf den Markt und kümmern sich seitdem um alles, was auch in einer normalen Firma ansteht.

„Marketing, Produktdesign, Buchhaltung, Vertrieb - das ist schon ziemlich viel Arbeit", sagt Christian Bidlingmaier. Gemeinsam seinem Co-Vorstand Felix Lebsanft leitet er die Firma. „Was ein Startup innerhalb von mehreren Jahren leistet, müssen wir hier in nur einem schaffen." Denn dann endet das Projekt und die Firma muss wieder abgewickelt werden.

Bei der Wahl des Produktes hatten die Schüler freie Wahl. Es musste sich lediglich im rechtlichen Rahmen bewegen und sollte auch moralisch nicht verwerflich sein. Lange zerbrachen sie sich gemeinsam den Kopf. Ein selbst gestaltetes Brettspiel war nur eine der vielen verworfenen Ideen. Im November einigten sie sich schlussendlich auf eine eigene Limonade.

„Als das Konzept auf dem Papier stand, haben wir uns etwas näher damit befasst. Ursprünglich stand sogar noch im Raum, dass wir das Rezept selbst entwickeln. Das war allerdings problematisch. Wir haben alle Produzenten in Baden-Württemberg abgegrast, aber wegen circa 1000 Flaschen wollte niemand die Maschinen für uns anwerfen", sagt Bidlingmaier. Daraufhin fragte er bei der Firma Böhringer aus Römerstein an. Die Limonade mit dem Namen „Saure Goiß" basiert nun auf einem bereits bestehenden Produkt des Getränkeherstellers, der für die Schüler auch die Produktion und Abfüllung übernimmt. Ein Teil des Erlöses geht an das Projekt „Ernährungssicherung und Krisenresistenz in Ostafrika" von ChildFund. Von dem Geld werden Ziegen in Sambia gekauft und an Bedürftige verteilt.

Die Entscheidung, mit dem Produkt eine Wohltätigkeitsorganisation zu unterstützen, war zwar bereits früh gefallen; doch es musste noch darüber abgestimmt werden, an welche das Geld fließen soll. Denn die Schülerfirma funktioniert ähnlich wie eine Aktiengesellschaft. Bei der Gründung des Unternehmens konnten sich Anteilseigner mit einem Geldbetrag beteiligen. Mit welchem Betrag sie sich einkaufen, steht ihnen frei; doch das Gesamtbudget der Schülerfirma darf nicht mehr als 900 Euro be- tragen.

Im Gegenzug erhalten die Anteilseigner bei wichtigen Entscheidungen ein Stimmrecht und bekommen anteilig zu ihrem Einstiegsbetrag einen Teil des Gewinns ausgeschüttet. Auch Oberbürgermeister Fridrich beteiligte sich bereits. Ihm wird zur Feier des Verkaufsstarts am heutigen Freitag die erste Kiste der Limonade überreicht.

Bei unserem Besuch der Schülerfirma ist gerade die erste Charge der Limonade eingetroffen. Nun müssen rund 1600 Flaschen etikettiert werden. Die Schüler verteilen feuchte Schwämme auf den Tischen; selbstgebaute Gestelle sollen gewährleisten, dass die Halsetiketten später alle auf einer Höhe sind. Sorgfältig bekleben die Schüler eine Flasche nach der anderen. Währenddessen wird es laut in dem Raum, die Stimmung ist ausgelassen. Nach vielen Versuchen hat eine der Schülerinnen es endlich geschafft, die Stereoanlage einzuschalten. Als aus den Lautsprechern Hip-Hop ertönt, johlen einige anerkennend.

„Es ist auf jeden Fall mehr Aufwand, als wir im Vorhinein erwartet haben"

Vieles in der Schülerfirma ist komplett in Eigenregie entstanden; auch das Design der Etiketten und sogar die Homepage haben die Schüler selbst entworfen. „Der Name, Saure Goiß' kommt von der Spendenaktion. Noch dazu dachten wir, dass eine Ziege als Logo sicher witzig ist und für Aufmerksamkeit sorgt", sagt Bidlingmaier und lacht. „Außerdem wollten wir von Anfang an einen frischen Look für das Produkt, daher die Farbwahl. Mit diesen Grundgedanken hat unsere Marketingabteilung sich dann um das finale Design gekümmert. "

Betreut wird die Schülerfirma von Christian Klützke. Er ist vor kurzem als Lehrer an das Max-Planck-Gymnasium gewechselt und brachte die Projektidee von seiner alten Schule mit. „Ich habe davon schon in meiner Ausbildung gehört. Dann habe ich es einmal ausprobiert und festgestellt, dass das wirklich eine tolle Sache ist. Als Schüler hätte ich das super gerne selbst gemacht", sagt Klützke. Von den Beteiligten werde sicher keiner leichtsinnig eine Firma gründen, nachdem sie erfahren haben, wie viel Arbeit dahinter steckt.

Bidlingmaier nickt zustimmend und sagt: „Es braucht auf jeden Fall mehr Zeit, als wir im Vorhinein gedacht hatten. Wir haben ungefähr drei Stunden pro Woche für das Projekt veranschlagt. Manche Abteilungen haben natürlich hin und wieder nicht so viel zu tun. Aber meistens läuft es so auf fünf bis zehn Stunden die Woche hinaus."

Für die Zukunft haben die Schüler große Pläne: In etwa zwei Monaten möchte man die nächste Charge produzieren lassen. „Das hängt natürlich davon ab, ob wir bis dahin alle Flaschen an den Mann gebracht haben. Aber die Hälfte ist bereits verkauft, ich bin optimistisch", sagt Bidlingmaier. Bis jetzt könne man die Limo nur auf Vorbestellung erhalten, doch man wolle bald auch mit einigen Einzelhändlern kooperieren.